Fundstück - ein Märchen



auf der Suche nach einem bestimmten Bild auf meiner externen Festplatte fand ich, zu meinem besonderen Entzücken, eines meiner Märchen, welches ich 2002 begonnen, und nie weitergeschrieben habe.

Eben habe ich es wieder gelesen und ich schmunzelte, ich lachte leise vor mich hin und ich überlegte, warum ich es damals nicht weiter fortgesetzt hatte. Ich weiß es nicht mehr.

Damals war mein Sohn zwar kein Kleinkind mehr, aber ich erfand sehr gerne Märchen und Geschichten für ihn, die ich erzählte, leider nur selten aufschrieb,  damals dachte ich gar nicht daran.

Vielleicht schreibe ich weiter daran, oder es bleibt nur ein Fragment, mal schaun. Mögt ihr denn Märchen?


dann kommt mit.....
in mein Fabelland 

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Es war ganz still im Wald.

Der Tag war voller heißer Luft, welche sich scheinbar nicht zu bewegen schien.Die Tiere selbst, schienen sich im Schutz des Schattens verkrochen zu haben, man konnte nichts hören oder sehen von ihnen.
Die Sonne hatte den höchsten Stand des Tages schon überschritten und es schien sich kein Halm zu bewegen.
..

Stille ..
Oder .. nein, da war doch etwas zu hören..
Leise erst, doch es schien sich zu nähern.
Stimmen? Rufe? Nur ein Rascheln konnte vernommen werden, welches davon zeugte, dass sich ein aufgescheuchtes Tier tiefer in die Schatten zurückzog, um nicht gestört zu werden.
Nicht zu früh, denn mit einem Schlag war der Verursacher, der Störenfried da. Wie das Posaunen, Trompeten, ein Wirrwarr von verschiedenen, viel zu lauten Klängen.
 
Es waren Kinder, welche sich lautstark unterhielten, kicherten, kreischten.
Kinder eben.

Scheinbar hatten sie äußerst Wichtiges zu besprechen. Ihr Wangen glühten, das Haar klebte an der Stirne und sie schienen sehr aufgeregt zu sein.
Wild gestikulierte der eine von ihnen mit den Händen, deutend auf eine riesige Weide, welche ihre Zweige, wie schützende Arme, bis hinunter in das grüne Gras fallen ließ.

„Das will ich aber jetzt sehen !“ ... „Du erzählst doch immer so merkwürdige Dinge, ich glaub Dir kein Wort“ ...
„Mann ist das gruselig“ ..
Wild riefen die Kinder durcheinander und der Eine ... lief hoch erhobenen Hauptes ihnen voran, und stoppte plötzlich ..

Die Zweige der alten Weide schob er langsam beiseite, lies die Freunde unter das schützende Dach eintreten. In sein geheimes Reich.
Er wartete kurz ab, bis sich die Stimmung etwas beruhigt hatte. Mit ernster Miene sprach er.
„Ihr werdet gleich sehen wie sehr ich lüge, welche komischen Dinge ich euch so erzähle. Wartet nur ab“.

Er dirigierte seine Freunde ein wenig herum, bis sie schließlich allesamt mit dem Rücken an den Stamm des Baumes gelehnt, die Hände von sich gestreckt, einander mit den Fingerspitzen berührten.
Die Augen der Kinder schienen unruhig herumzuirren, ab und zu ein Kichern ... bis es endlich wieder still war. 

Der eine Junge, nennen wir ihn Timbo, sprach ganz leise, mit sanfter Stimme : 
.. es ist wie damals alter Baum, *langsam schloss er seine Augen* beschütze und behüte mich .. nun auch meine Freunde
lass mich sehen einen Traum
ich möchte Dich kennen lernen

Was danach geschah, könnte kein Mensch mit Verstand berichten. Kein sehendes Auge hätte gesehen. Kein Ohr etwas vernommen

Die Kinder .. wurden ..
einfach aufgenommen
Aufgenommen von dem Herzen des Baumes.
Sie verschwanden einfach.
Waren „in ihm“... 

Erst war alles ganz dunkel und nur allmählich gewöhnten sich die Augen an die ungewohnte Umgebung.
Wenn man tief einatmete, dann schien es so, als würde die Nase direkt in frisch aufgeschaufelter Erde stecken.

Ganz still war es, die Kinder waren erschrocken, verzaubert vielleicht, jedenfalls war es einer der seltenen Momente, an denen sie einfach – wortlos waren.

Es dauerte nur wenige Augenblicke, da flüsterte eine der kleinen Stimmen "was .. was ist passiert, wo sind wir"
und sofort ging das Rumoren los.
Irgendwo jammerte ein kleines Mädchen, es hätte sich an einer Wurzel gestoßen. Ein anderer bedauerte es, sein Fernglas zu Hause gelassen zu haben.
Timbo ergriff das Wort.

"So Freunde, es geht los. Wir sind nun –im Baum-". Er betonte die Worte sehr kraftvoll und zog damit jegliche Aufmerksamkeit auf sich.
"Lasst uns zusammenbleiben, ich führe euch zu den kleinen Ergons".
Die Ergonen waren ein beinahe unbekanntes Volk, welches unter der Erde lebte. Sie bevorzugten die Erde um die Weidenbäume, weil die Wurzeln dieser so besonders gut duften.
Die Ergonen waren damals lustige Kerle mit dicken Bäuchen, der Körper war mit einem dichten, langen, dunkelbraunen Fell bedeckt.
An ihren Köpfen hatten sie große Sehwölbungen, aus denen die Augen manches Mal schwarz wie Kohlen funkelten.  Alles in Allem waren sie friedlich, nur wenn von der Erdoberfläche sehr laute Geräusche bis in ihre verwinkelten Höhlen drang, machten sie sich auf, um die Langlangweiler (so bezeichneten sie die Menschen) zu erschrecken und somit zu vertreiben.
Sehr groß mochten sie nicht gewesen sein, genau konnte man dies nicht mehr sagen, weil die Menschen die Ergonen schließlich doch weit weg vertreiben konnten, was ja typisch für die Langlangweiler war.

Schließlich vertreiben sie alles, was ihnen fremd oder unangenehm ist
Wie auch immer, eines Tages hatte Timbo einen Nachmittag Langeweile und er lief, ohne genau zu wissen wohin, vom Garten seiner Eltern durch den nahen gelegenen Wald, und irgendwann machte er Rast unter einer besonders alten, wundervoll anzublickenden Weide.
Unweit von just jenem Platze hatte eine Baufirma begonnen, eine Reihenhaussiedlung zu bauen, die Bagger waren seit einigen Tagen am Werk und mähten jegliche, störende Natur nieder. Es musste Platz gemacht werden, für die großen Baumaschinen, die Betonwagen, für die angelieferten Gerüste.
Vielleicht war es ja damals genau dieser Lärm, der einen Späher der Egonen an die Oberfläche schickte um sich über die Ursache zu erkundigen. Ganz egal, jedenfalls als Ermron (so hieß der kleine Späher), sich aus der Erde buddelte, stieß er genau auf Timbos linkes Bein.
Erst rissen beide die Augen auf, dann die Münder.
Wenige Momente später hörte man einen erschrockenen Zweiklangschrei, denn die beiden, waren total überrascht, erschrocken und völlig aufgeregt.

"Wat bizn du?" fauchte Ermron.
Timbo wollte seinen Augen nicht trauen. Da stand doch vor ihm ein etwa vierzig Zentimeter großes Ding und sprach zu ihm.
"Ich ... ich äh ..." mehr konnte er nicht sagen und der Winzling fuchtelte mit einer majestätischen Geste die dunkle Haarpracht aus dem Gesicht, klopfte seinen Körper ab, so dass die Erdbrösel nur so durch die Gegend flogen.
Die dicken Arme stemmte er empört in die Seiten und der Blick aus den schwarzen Augen fixierte Timbo.
"Bizu Langlangweiler??"
Mehr als ein Schlucken mag Timbo nicht gelungen sein, und schon brummte Ermron ihn an.
"Bizu Krawallmachomat? Nana? Bizu, bizu ??"

Timbo konnte nicht anders, er lachte laut auf und wiederholte immer wieder die Worte des kleinen Egonen. Dabei bemühte er sich, genauso wichtig da zu stehen. Schließlich ließ er sich einfach zu Boden fallen, stütze die Arme auf den Boden und legt das Gesicht in die Hände.
Beide betrachteten sich für eine Weile.
Wortlos.
Sprachlos.
Neugierig. 

"Wer bist du denn?" Mit leisen Worten sprach Timbo, als er die Neugierde schließlich nicht länger unterdrücken konnte.
"Ik bin Ermron. Erstes Späher von die Egonen".
Ermron nickte kurz, streckte Timbo einen kurzen dicken Finger an die Brust und sagte
"und wat bizu?"
"Bizu ? .. ähm ich denke, du möchtest wissen, wer ich bin. Also ich bin Timbo".
Timbo hob fragend die Augenbrauen und lauschte auf eine Antwort.
"Timbo .. aha Timbo bizu alzo. Timbo Langlangweiler. Und warum du maxt Lärm? Wir nix schlafen könn. Immer laut mach du. Warum?"
"Ich??? Ich mach was? Mein Name ist nicht Lang .." Runzelnd schob Timbo die Stirn in Falten und überlegte eine Weile.
"Doch du Langlangweiler. Ich hört allez. Laut Krach du mach".
Timbo benötigte eine ganze Weile um zu verstehen.
"Du meinst, ach ich verstehe, du meinst sicher das Brummen der Bagger dort drüben!"
Timbo deutete in die Gegend wo die Baufirma die Geräte abgestellt hatte.
"Sie bauen eine Wohnhausanlage für viele Menschen."
"Viele Langlangweiler hier wollen leb????" Völlig überrascht und erschrocken blickte der kleine Egone in die Ferne, fixierte die Bagger, durchforschte die Umgebung.





Text und Bild SH
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 Tja, soviel zur Phantasie.
Ja, vielleicht sollte ich wieder mehr aufschreiben.
Vielleicht
 

Kommentare

  1. Danke, liebe Sophia, für das Foto, das Dich zu diesem schönen Märchen inspirierte. Es hat mir Spaß gemacht, es zu lesen. Mehr davon...
    Menschen mit Phantasie besitzen einen großen Schatz, der über vieles im Leben hinweghilft.
    Einen schönen Tag und liebe Grüße
    Edith

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    1. danke Edith für die lieben Worte, ich freu mich sehr darüber!
      Hab auch einen schönen Tag
      Sophia

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  2. auch ich habe es sehr genossen dein Märchen zu lesen, soooo schön,
    ich träume ja auch - einmal so etwas Schönes auf ein Blatt Papier
    zu bringen, wird aber nur beim träumen bleiben, lach,
    und bis dahin lese ich begeistert deine Märchen,
    hab noch einen super Tag
    Hermine

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    1. danke dir du liebe Liebe :)
      ja, früher hab ich viel, viel mehr geschrieben
      Ich hab auf der Festplatte noch mehr davon, ich denke, ich werde noch das Eine, oder andere posten.
      Und vielleicht wird so ja auch etwas Neues geboren, wer weiß das schon.
      Seit Jahren hab ich eine Geschichte im Sinn, die aufgeschrieben werden möchte.
      Bis bald Hermine
      Sophia

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  3. Liebe Sophia,
    vielversprechend ist der Anfang Deiner Fantasiegeschichte. Fremde begegnen sich, verstehen sich nicht so recht, lassen sich aber aufeinander ein...Ich finde, das ist ein ganz wundervoller Ansatz...pädagigisch wertvoll und in das Heute sofort übertragbar...
    Mich würde der Fortgang Deiner Geschichte sehr interessieren!
    Alles Liebe und melde Dich, wenn es weiter geht...Bitte!
    Heidi

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    1. Vielen Dank Heidi, ich freu mich immer wenn ich Kommentare erhalte, sie zeigen mir dass mein Blog überhaupt wahrgenommen wird. Mal sehn, ob es da weitergeht. Liebe Grüße
      Sophia

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  4. ...und noch etwas, das hatte ich fast vergessen:
    Ich bedanke mich bei Dir, liebe Sophia, für Dein großes Lob!
    Schau doch mal in die anderen Posts mit diesem Thema - mit natürlichen Mitteln heilen und das Immunsystem stärken...dort findest Du weitere Hinweise über Naturmedizin, die Du auch in der Apotheke kaufen kannst....und vielleicht später in Deinen Garten anpflanzen kannst, dann bist Du Dein eigener Hersteller von pflanzlichen Medikameten...
    Ich wünsche Dir jetzt jedenfall zuerst einmal eine gute Besserung
    und alles Liebe
    Heidi

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    1. Danke dir du Liebe, ich stöbere gerne weiter bei dir.
      Du hast ja soviel zu sagen, ganz wunderbar.

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  5. Liebe Sophia,

    ich liebe Märchen, auch heute noch. Du müsstest unbedingt mehr aufschreiben. Du hast eine Gabe, die nicht viele haben. Bitte mach weiter.
    Dein Eingangsbild hatte schon so was märchenhaftes an sich. Da war sofort mein Interesse geweckt.

    Liebe Grüße von
    Paula

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    1. Vielen Dank, ich freu mich sehr über deine Worte! Dann hoffe ich dass ich bald wieder inspiriert bin und an dem Fragment weiterschreiben kann.
      Ich wünsch dir einen schönen Sonntag
      Sophia

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  6. Ich lese sehr gerne Märchen und habe auch eine kleine Sammlung im Bücherregal. Du solltest unbedingt weiter schreiben. Es macht Spaß seine Fantasie spielen zu lassen und Du solltest froh und glücklich sein, dass Du diese Fantasie hast. Nutze sie, sie zeigt Dir Welten von denen andere nur träumen. Dein Märchen ist toll!!! Und vor allen Dingen, verliere nie den Mut. Harry Potter wurde übrigens zwölf Mal abgelehnt von irgendwelchen Verlagen, bevor der dreizehnte Verlag dann bereit war, das Buch zu drucken. Ich frage mich manchmal, ob die Verantwortlichen in den zwölf Verlagen, die Harry Potter für Schrott hielten, noch ihre Posten haben.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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